Allgemeines



Etwa alle zwei Monate taucht in unserem Forum die Frage auf: "Kann man nach Australien auch mit dem Schiff anreisen?" Man kann - mit Zeit, Musse und einem gut gefüllten Portemonnaie. Eine Frachtschiffreise unternehmen nach Schätzungen von Insider Peter Zylmann von der Frachtschifftouristik Kapitän Peter Zylmann in Maasholm an der Schlei rund 5000 bis 6000 deutschsprachige Passagiere im Jahr. Nach Australien ist man auf dem Schiff bei Anreise auf dem Suezkanal ex Hamburg/Deutschland mindestens 26 Tage unterwegs. Die Fahrgäste gehen mit verschiedensten Vorstellungen auf eine Frachtschiffreise, ist die Erfahrung der Branche: Manche wollen das Abenteuer Seefahrt erleben - gerne mit allen moeglichen Überraschungen. Andere möchten schon vorher ihre Reise bis ins Detail kennen. Letztere sind gut aufgehoben bei Schiffen, die Bananen und andere schnell verderbliche Güter transportieren. Generell aber sind Frachtschiffreisen etwas für Leute mit Zeit: Für die Standardroute der Horn-Linie nach Mittelamerika und zurück etwa brauchen die Kühlschiffe 34 Tage.

Routenplanung



Bei den Flugrouten wird differenziert nach der Ostroute (via Asien oder Arabien) und der Westroute (via Nord- oder Südamerika). Das Pendant im Frachtschiffbereich ist die Frage, ob die Anreise über den Suezkanal oder den Panamakanal verlaufen soll. Die Strecke über den Suezkanal nach Fremantle (dem Hafen von Perth) ist die kürzeste Route. Aufgrund der politischen Situation kann es zu Änderungen im Routenplan kommen.

Zielhäfen in Australien sind in der Regel Fremantle (Perth), Adelaide, Melbourne, Sydney und Brisbane.

Beispiel: Das 2002 gebaute Containerschiff der britischen Reederei P&O Nedlloyd mit dem Namen Hunter Valley hatte in seinem Jahresfahrplan für 2005 zum Zeitüpunkt unserer Recherche 4 Abfahrten.

Auf dem Schiff werden 3 Doppelkabinen und 1 Einzelkabine angeboten, alle mit Dusche/WC. Es läuft unter der Flagge von Liberia.

Unterkunft



Manche Frachtschiffe bieten nur eine Kabine, andere sechs oder acht Betten, selten mehr. (Ab 13 Passagieren wird ein Schiff als Kreuzfahrtschiff einestuft - und dann müsste unter anderem auch ein Arzt an Bord sein.)

Die zahlenden Passagiere werden in der Regel in normalen Crew- oder Offizierskabinen untergebracht, die nicht besetzt werden. Seit etwa 1995 bauen einige Reedereien Schiffe mit speziellen Passagierkabinen. Die Ausstattung der Kabinen variiert zwischen sehr einfach und Vier-Sterne-Komfort. Auf einigen Schiffen fahren Stewards mit, die sich vor allem um die Gäste kümmern. Andere Reeder setzen auf die Eigeninitiative der Passagiere. Waschmaschine und Trockner stehen bereit, Bettwäsche und Handtücher werden häufig gewechselt.

Zusammenleben an Board



Unterschiedlich von Schiff zu Schiff und von Reise zu Reise, abhängig von der momentanen Zusammensetzung der Besatzung - möglich ist alles von sehr herzlich bis zu distanziert. Einsamkeit an Bord ist eine äusserst seltene Ausnahme. Gute Schiffe verfügen über ein Sonnendeck, Sauna, Swimmingpool, Sporteinrichtungen und eine Schiffsbibliothek einschliesslich grosser Video-/DVD-Sammlungen.

Kosten



Der günstigste Preis für eine Passage von Australien nach Europa, den wir 2004 exemplarisch recherchieren konnten lag für die 24tägige Strecke von Fremantle (Perth) nach La Spezia (Italien) bei 2.440 Euro pro Person in der Doppelkabine. Die einfache Fahrt von Europa nach Sydney via Panamakanal (49 Tage) ist für rund 5.000 Euro erhältlich. Ein mal rund um die Welt kommt man in zirka 84 Tagen für etwas mehr als 8.000 Euro.

Buchungssituation



Die meisten Kabinen nach Australien sind über viele Monate hinweg ausgebucht. Für viele Routen gibt es Wartelisten. Durch Stornos gibt es manchmal aber auch für Kurzentschlossene noch eine Mitfahrgelegenheit. Ein Anruf bei der Passageabteilung eines Schiffseigners ist wenig zweckdienlich, man wird in der Regel auf die Fachreiseveranstalter für Frachtschiffreisen verwiesen.

Formalitäten



Der Fahrgast ist selbst für die Einhaltung von Impfvorschriften und Einreiesbestimmungen verantwortlich. Teilweise wird wegen des Fehlen eines Arztes und einer Routenführung bei denen ein Schiff für Rettungsmassnahmen unerreichbar ist, vom Gast ein ärztliches Gesundheits-Attest verlangt. Passagiere über 75 Jahren werden nur in Ausnahmefällen mitgenommen. Kinder unter drei Jahren sind auch meist von der Reisemöglichkeit via Frachtschiff ausgeschlossen. Die meisten Reedereien verlangen eine Gelbfieber-Schutzimpfung. Führt die Route über USA ist zu berücksichtigen, dass Seereisende dort für die Einreise zwingend ein vorab zu besorgendes Visum benötigen.

Informationen zu den Einreisebestimmungen anderer Länder finden deutsche Staatsbürger auf der Homepage des Auswärtigen Amtes.

Literatur



Frachtschiffreise nach Australien - Zwischen Containern um die Welt

aus Deutschland
[Evelyn Freitag]
Freitag beschreibt in diesem Buch das Abenteuer auf hoher See und in Australien und insgesamt auf 60.000 km. Insbesondere durch die Anfahrt ein außergewöhnliche Reise. Australien wird vorgestellt aus der Perspektive einer Reise im komfortablen Reisebus und im rustikalen Safari-Gefährt.

Kapitän Peter Zylmann über das Buch: "Ich finde, dass das neue Buch an Spannung und Stil eine Steigerung zu dem vorangegangenen ist. Gerade die Mischung der beiden Themen Frachtschiffreise und Expedition in Australien zeigen, was heute für "ganz normale Menschen" an Abenteuer und Spannung möglich ist. Ich bin beeindruckt über die lebendige Ausdrucksform und wie gut die Stimmungen und Gefühle dargestellt wurden. Man hat das Gefühl, im Geländebus mit durchgeschüttelt zu werden. Die Sehnsucht nach dem am Horizont vorbeiziehenden Frachtschiff könnte die eigene sein."

292 Seiten, Paperback, 168 Abbildungen, 17 Karten, erste Veröffentlichung: Juli 2005

Frachtschiffreise. Das grösste Abenteuer meines Lebens.

aus Deutschland
[Evelyn Freitag]
Vier Monate lang auf den Weltmeeren unterwegs mit einem Frachtschiff. Unvergessliche Eindrücke vom weitgehend unbekannten Leben an Bord. Begeisterte Beschreibungen der vielen Eindrücke in den Häfen der Welt und der fremden Länder und Kulturen. Der Leser ist immer mittendrin, hautnah dabei. Ob auf der Brücke bei Nacht, in der schaukelnden Kabine bei Orkan oder beim Feiern an Bord zusammen mit der polnischen Schiffsführung und der philippinischen Mannschaft. Aufregende Hafenaufenthalte und dazwischen Zeit ohne Ende. Wann hat man das in seinem Leben? Die Autorin versteht es, den Leser mit eindrucksvollen Schilderungen mitzunehmen. Ein Bericht, der so spannend, mitreißend und humorvoll das Erlebte beschreibt, dass man am liebsten dabei gewesen sein möchte.

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